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Meiner ist länger – wie lang soll ein Blogartikel sein?

Neulich habe ich in einem Blog gelesen, dass der Blogschreiber es sich zur Gewohnheit gemacht hat, täglich 1000 Wörter zu schreiben. Schon während meiner ersten Versuche als Autor vor etlichen Jahren, bin ich über solche Ratschläge gestolpert. Im Lauf der Zeit, werden diese Tipps jedoch durch den Alltag aufgefressen. Schon nach kurzer Zeit erinnert man sich gar nicht mehr daran. Von der Umsetzung der guten Vorsätze ganz zu schweigen. 

Kein Blogartikel und nichts geht

Schreiben lernt man durch schreiben. Eine so simple, wie einleuchtende Tatsache. Fast jeder Schreibende kennt das: Man möchte etwas schreiben, man soll etwas schreiben, setzt sich voller Tatendrang und guter Absichten vor die Tastatur. Und – ja eben – nichts. Da hatte man gerade noch solche Energie und plötzlich – alles weg.

OK, das kann schon mal passieren, sagt man sich. Und es ist ja auch wirklich kein Beinbruch, wenn einem mal nichts direkt einfällt. Doch am zweiten Tag wird man da schon etwas gereizter. Mit jedem weiteren Tag steigert sich das Ganze bis kurz vor die Panikattacke. Ich muss etwas in den Blog bringen. Das geht doch nicht, dass man tagelang nichts neues anzubieten hat. Die Leser werden abspringen, sie werden sich aus dem Newsletter austragen.

Und eben genau hier setzt die Technik an, regelmäßig jeden Tag 1000 Wörter zu schreiben. So als Aufwärmübung, nicht zuletzt für die Disziplin. Man kann sich auch vornehmen, täglich 4 DIN Seiten zu schreiben. Das entspräche dann ebenfalls 1000 Wörtern. Eine Normseite besteht aus 30 Zeilen zu je etwa 60 Anschlägen. Im Schnitt ergibt das 250 Wörter.

Nun stellt sich die Frage: Was kann man da in diese 1000 Wörter packen? Soll das schon ein brauchbarer Text sein? Oder handelt es sich dabei nur um Fingerübungen, bevor man daran geht, den eigentlichen Text zu schreiben?

Bei mir hat es sich bewährt, einfach etwas zu schreiben. Irgendwas. Was mir als erstes in den Sinn kommt, tippe ich in die Tastatur. Das geht dann von den Müllmännern, die ich aus dem Fenster sehe bis zu einer Geburtstagseinladung, die ich gestern erhalten habe. Einfach losschreiben.

Es geht von selbst – Der Flow

Das fantastische dabei ist, dass es nach ein paar Sätzen ganz von selbst weiter geht. Man ist im Flow, wie die Amerikaner sagen, es fließt. Und dann kann ich mitten in dem Geschreibsel umschwenken auf das eigentliche Thema. Dank der elektronischen Textverarbeitung, ist es ein Leichtes, den ganzen belanglosen Quatsch vom Anfang, einfach zu löschen. Übrig bleibt der eigentliche Text. Klar kann man auch die „ausgemusterten“ Teile speichern und sich Monate oder Jahre später darüber amüsieren. Ich mache das so, das hat mir schon viele Male ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Oder der Flow setzt ein, aber ich habe trotzdem das gewünschte Thema immer noch nicht im Griff. Nun, dann schreibe ich eben weiter mit den Sätzen und den Dingen, die mich gerade im Fluss halten. Bis die angestrebte Anzahl der täglichen Wörter erreicht ist.

Lang oder doch nicht?

Tausend sollen es sein, meinte der Blogschreiber vom Anfang. Ich mache 800 daraus. Wenn man für das Internet schreibt, muss man etwas umdenken. Jeder kennt das aus eigener Erfahrung: Sind die Blogartikel oder Texte zu lang, scrollt man nach unten oder klickt sich ganz aus der Seite.

Was ist nun aber eine richtige Textlänge für Blogposts? Hier existieren verschiedene Ansätze, die sich auch nach der Zielsetzung richten. Google als unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen, duldet Texte ab 300 Wörtern und liebt Texte ab 800 Wörtern. Kürzere Abhandlungen erscheinen Google als nicht so relevant für den Suchbegriff. SEO Plugins für Blogsoftware – unter anderem WordPress – geben grünes Licht bei Textlängen ab 300 Wörtern.

Will man jedoch, dass der Artikel oft verlinkt wird, sollte er mindestens 1500 Wörter umfassen. Es hat sich gezeigt, dass lange Beiträge (1500 – 3500 Wörter) öfter verlinkt werden, als kürzere. Da haben wir jedoch das Dilemma: Wer liest die verlinkten Texte? Das Leseverhalten im Internet unterscheidet sich stark, vom „analogen“ Lesen. Im Netz überfliegen wir Texte häufig nur. Ich kenne niemanden, der genüsslich Romane im Internet liest.

Das Ausschlaggebende bei der Textlänge ist nach wie vor: Gelingt es dem Verfasser, die Leser für das Thema zu interessieren oder nicht? Auch ein Text mit „Überlänge“ wird gelesen, wenn der Leser, die Leserin sich gut unterhalten und informiert fühlen.

Ja, so komme ich dann auf die 800 Wörter. Einmal, um im Fluss zu bleiben und auch, um die Leser nicht zu langweilen. Gibt es zu einem Thema so viel zu sagen, dass es weit über diese unsichtbare Grenze hinaus ginge, so mache ich zwei Artikel daraus. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte. Dieser Artikel besteht übrigens aus 764 Wörtern. OK, es fehlen ein paar zu Googles Liebling, aber so genau nehme ich das nicht.

Click Here to Leave a Comment Below 8 comments
Kevin Venmans - 12. August 2014

Hey , netter Artikel 😉 Ich schaue auch immer, das meine Artikel mindestens 500 Worte haben. Meistens werden aber daraus Artikel um die 1000 Worte, da man meistens viele mehr schreibt wenn man in dem besagten „Flow“ steckt 🙂

Allerdings ist meine erfahrung, das kurze Artikel lieber gelesen werden. Laut einer Umfrage auf meinem eigenen Blog forderten rund 70% meiner Leser mehr kurze und knackige Artikel…. Naja, ich denke es kommt da auch auf die Leserschaft an.

Danke für deine Infos hier,

Gruß Kevin

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    Winfried Dannenmann - 12. August 2014

    Danke Kevin, ich lese auch kurze Artikel öfter. Bei einem zu langen Beitrag, legt man den schon mal auf „Wiedervorlage“ und will ihn dann später lesen – manchmal klappt das sogar 🙂

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Regina Hindrichs - 13. August 2014

Ich sitze oft vor dem virtuellem weißen Papier und habe eine richtige Schreibblockade. Meistens fange ich dann wirklich einfach an irgendwas zu schreiben, so wie du es beschreibst, damit mich das leere Blatt nicht mehr anstarrt ;-). Und irgendwann setzt dann wirklich der Flow ein und man bekommt einen vernünftigen Artikel beisammen.

Nur an dem „täglichen“ muss ich noch ein wenig Arbeiten, denn meistens sitze ich immer wieder unter Zeitdruck da und muss etwas schreiben. Also, dann teste ich das einfach mal. Ab heute täglich ~800 Wörter Tipseln 🙂

Danke für die Inspiration.

LG Regina

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    Winfried Dannenmann - 13. August 2014

    Danke für deinen Kommentar Regina. Ich muss gestehen, mit „täglich“ läuft das bei mir noch nicht vollautomatisch. Manchmal ist so viel anderes zu erledigen, dass mir erst am Nachmittag wieder einfällt, dass ich noch nichts geschrieben habe. 🙂

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    Rigo Dade - 21. Oktober 2014

    So ähnlich geht es mir auch Regina 😀 . Ich versuche wenigstens an die 500 Wörter zu kommen, oft finde ich es dann auch schon fast genug – muss wohl jeder für sich selber wissen.

    Guter Artikel Winfried,
    Beste Grüße
    Rigo

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      Winfried Dannenmann - 21. Oktober 2014

      Danke Rigo,
      ja, das erfordert schon ein wenig Disziplin. Damit bin ich auch nicht unbedingt gesegnet. Aber wenn man sich selbst motiviert, klappt es immer besser.

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Ulrike Giller - 29. August 2014

Ja Winfried, so ist es mir anfangs auch ergangen. Aber wie heißt es so schön: Übung macht den Meister. Und wer Spass am Schreiben hat, der findet auch seinen Work-flow. Dir weiter viel Spass bei deinen Artikeln und viele Leser.
LG
Ulrike

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    Winfried Dannenmann - 29. August 2014

    Ja Ulrike, üben und dranbleiben Richtung Meister, das stärkt auch die Schreibkondition. Danke für deinen Kommentar und auf erfolgreiches Bloggen.

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